Bist du schon einmal über den Begriff Prana gestolpert? In einer Yogaklasse oder im Gespräch mit anderen Yogis? Und hast Du Dich gefragt, was sich eigentlich genau dahinter verbirgt?

Ist es reine Esoterik oder gibt es tatsächlich eine logische Erklärung für dieses wundersame Energiephänomen? Bis vor Kurzem war meine eigene Vorstellung von Prana selbst sehr abstrakt.

Prana ist bekannt als die Lebensenergie, die mit dem Atem verbunden ist. Eine Energie, die durch den Atem gelenkt und transportiert wird.

Spüren kann ich sie ganz gut, aber wo genau kommt diese Energie her? Ist sie überall? Kommt sie von außen oder ist sie schon in mir drin? So hatte ich bislang keine wirklich verständliche Erklärung zu diesem energetischen Mysterium….

Prana ist physikalisch erklärbar

Tatsächlich ist das Ganze logischer und simpler, als ich es selbst gedacht habe. Prana ist im Grunde genommen nichts anderes als aufgeladener Sauerstoff. Um es physikalisch genau zu nehmen: Prana ist ein extra Elektron in einem Sauerstoffatom.

Wie schafft Prana aber nun den Weg in den Körper? Tatsächlich gibt es einen Part im Körper, der sich um die Aufnahme von Prana kümmert.

Durch die Nase atmen

In der Nase steckt der sogenannte Riechkolben. Die kleinen, feinen Nervenenden des Riechkolbens schnappen sich das Prana beim Einatmen durch die Nase. Sie bringen es von dort auf direkten Wege bis zum Gehirn. Anschließend wird es an die Stellen weitergeleitet, an denen es gebraucht wird.

Die Nase ist für die Atmung entwickelt. Also immer gut durch die Nase ein- und auch ausatmen.

Unsere fünf Quellen zur Aufnahme von Prana

Es gibt fünf Quellen, über die wir Prana aufnehmen können:

  • Erde (Prithivi) oder auch unsere Nahrung
  • Wasser (Apas) oder auch unsere Flüssigkeitszufuhr
  • Feuer (Tejas) bzw. auch unser Tageslicht
  • Luft (Vayu), die Luft, die wir atmen
  • Äther (Akasha), also Kraft, die wir von anderen Menschen oder von Kraftorten bekommen

Schon in der Hatha Yoga Pradipika, dem uralten Yoga-Text von Svatmarama, wird immer wieder das Wort Prana verwendet. Es wird dort im Grunde gesagt, dass wir Hatha Yoga üben, um die Lebensenergie zu erhöhen, zu stabilisieren, zu harmonisieren.

Wenn die Lebensenergie harmonisch ist und in die höheren Chakren geht, dann kommst du in die höheren Bewusstseinsebenen. So ist Hatha Yoga streng genommen immer auch Prana Yoga.

Nadis: Die Bahnen, auf denen Prana durch unseren Körper fließt

Wie unser Blut durch die Adern fließt, hat Prana seine eigenen Bahnen, durch die es den Körper durchdringt: die Nadis. Sie sind das Äquivalent zu den Meridianen, die viele aus der TCM kennen.

Es heißt, es gäbe 72.000 Nadis, allerdings beschäftigen wir uns im Yoga hauptsächlich mit den drei Haupkanälen: Ida, Pingala und Sushumna.

Mithilfe der Bandhas, der Energieverschlüsse, versucht der Yogi, das fließende Prana in die gewünschten Regionen zu lenken. Das Ziel ist es, Blockaden zu lösen und so das Prana zum Fließen zu bringen und eine gute Gesundheit zu erhalten.

Tiefe Meditation kommt, wenn das Prana subtiler wird

In den weiteren Versen der Hatha Yoga Pradipika erwähnt Svatmarama, dass der Geist erst dann ruhig wird, wenn das Prana ruhig und subtiler geworden ist und letztlich in die Sushumna, den mittleren Energiekanal, eingeht.

Lebendigkeit heißt viel Prana. Nur wenn das Prana fließt, wenn die Nadis gereinigt sind und dann das Prana in die Sushumna, die feinstoffliche Wirbelsäule, geht, dann kannst du in tiefe Meditation kommen. Du kommst dann in Unmani Avastha, den Zustand jenseits des Geistes, in Samadhi.

So hat Svatmarama die Wechselatmung und deren Wirkungen beschrieben:

  • als eine Übung, die dich von allen körperlichen, energetischen und geistigen Beschwerden befreit hat
  • die Nadis sind gereinigt
  • du strahlst und leuchtest, du bist voller Freude
  • du bist sehr viel gesünder

Er sagt: „Wenn du trotz Wechselatmung noch nicht gereinigt bist, dann übe die Kriyas. Wenn du in irgendeiner Form krank bist, wenn du irgendeines der drei – Doshas-Vata, Pitta oder Kapha – zu viel hast, dann ist es wichtig, dass du die Kriyas, die Reinigungsübungen, übst.“

Alles Lebendige enthält Prana

Prana ist in allem Lebendigen zu finden – es ist letztlich der entscheidende Unterschied zwischen einer echten Blume und einer Plastikblume.

Prana ist, wenn wir merken, dass jemand hinter uns steht, ohne dass wir ihn mit unseren fünf innen bemerkt haben. Es ist eine tolle Atmosphäre auf einer Party. Oder das Charisma, das manche Menschen ausstrahlen.

Menschen mit einem ausgeprägten Prana gelten als anziehend. Besonders Menschen mit einem nicht so reichlich vorhandenen Prana suchen ihre Nähe. Auch die unmittelbare Sympathie zwischen wildfremden Menschen erklärt sich mit Prana.

Wie wir unser Prana erhöhen können

Was können wir tun, um unser Prana zu erhöhen? Dazu sollten wir uns noch einmal die fünf Quellen vergegenwärtigen, aus denen wir Prana aufnehmen können: Erde oder unsere Nahrung, Wasser oder unsere Flüssigkeitszufuhr, Feuer oder unser Tageslicht, Luft oder unser Atem und Äther oder die Kraft anderer Menschen und Kraftorte.

Wenn wir also einatmen, nehmen wir Prana in uns auf. Ein wichtiger Grund, warum wir im Yoga Pranayama üben und versuchen, unseren Atem zu verbessern. Wir verändern mit unserer Praxis auch die Qualität des Prana in und um uns.

Den optimalen Nutzen aus allen fünf Quellen ziehen

Um unser Prana zu erhöhen, müssen wir den optimalen Nutzen aus unseren fünf Quellen ziehen. Im Sinne von Nahrung und Getränken liegt es nahezu auf der Hand, was gemeint ist.

Auch Tageslicht und frische Luft kennen wir als Energielieferanten. Die abstrakteste Quelle sind für uns wahrscheinlich die zwischenmenschlichen Beziehungen.

Bei genauerem Hinsehen erkennt man aber auch hier den Unterschied zwischen den Menschen. Es gibt solche, in deren Gesellschaft man sich angeregt, inspiriert und voller Kraft fühlt. Und andere, die einem die Energie rauben, die uns lähmen. Auch das ist ein Austausch von Prana.

Die Chakren – Zentren mit geballtem Prana

Wichtig im Zusammenhang mit Prana sind auch die Chakren – unsere Energiezentren. Hier sammelt sich Prana.

Im Yoga fokussieren wir in der Regel auf die sieben Hauptchakras, die sich entlang der Wirbelsäule nach oben stapeln. Jedes Einzelne ist unterschiedlichen Drüsen und Organen zugeordnet.

Es heißt, dass die Gesundheit der einzelnen Körperteile von einem gut ausbalancierten Energiefluss in den Chakren abhängt. Im Umkehrschluss kann bei einer Prana-Blockade eine Disharmonie entstehen, die sich dann auch auf physischer und emotionaler Ebene auswirkt.

Unsere Yoga-Praxis, ob nun Asana, Meditation oder Pranayama, hält das Prana in einem guten, gesunden Fluss.

Ist Prana das Geheimnis vom Leben?

Prana schläft niemals, so wie das Herz niemals aufhört zu schlagen. Das Energiephänomen wird als die Wächterin des Körpers betrachtet.

Prana wird Rajas oder der Ruhelosigkeit zugeordnet. Man kann sie nicht einmal mit großem Aufwand beruhigen. Der Körper, die Natur von Tamas, wird durch die Lebensenergie des Rajas in Bewegung gehalten.

Prana veranlasst die Sinne zur Aktivität. Aufgrund ihrer rajasischen Natur lässt sie weder den Körper noch den Geist in Frieden.

Solch eine Ablenkung ist sicherlich nicht erwünscht, und Yoga erfordert Stabilität und eine Ausrichtung auf Sattva. Darum muss mit Prana etwas geschehen; sonst wird sie zu einem Hindernis bei der inneren Ruhe.

Pranayama zur Unterstützung der Yogapraxis

Das Yogasystem schließt eine Technik ein, die zur Unterstützung der Yogapraxis eingesetzt wird. Diese Technik heißt Pranayama.

Wie im Falle der Asanas, findet man auch beim Pranayama vielerlei Methoden. Die Yogameditation macht es aber nicht erforderlich, viele verschiedene Pranayama-Techniken zu beherrschen.

Genauso wie es nur eine Dhyana-Asana gibt, so genügt auch eine Pranayama-Übung, um die Nadis (Nervenbahnen) zu reinigen und um die Lebensenergien im Yoga zu regulieren.

Die Lebensenergien müssen von allem Unrat gereinigt werden, d. h. von Formen des Rajas ebenso wie von allen Formen des Tamas.

Prana ist sehr aktiv

Prana fließt durch verschiedene Kanäle des Körpers. Sie ist außerordentlich aktiv. Ihre angeregten Funktionen stören den Geist, sodass er sich auf nichts konzentrieren kann.

Rajas und Prana regen auch die Sinne und indirekt die Wünsche an. Jeder Versuch, ihre Aktivitäten zu bremsen, hieße, man würde den Körper töten.

Wenn man die Aktivitäten vermindern möchte, muss man sorgfältig vorgehen, indem man sich langsam herantastet und nicht mit der Tür ins Haus fällt.

Für Pranayama essenziell: Stabile Sitzhaltung und keine physische Verausgabung

Wenn wir über eine lange Distanz laufen, Treppen steigen oder ärgerlich werden, verliert Prana ihre Harmonie und bleibt in einem erregten Zustand. Sie verspannt sich und macht den Menschen ruhelos.

Darum sollte der Yogaschüler physische Aktivitäten meiden, bei denen er sich verausgabt. Die Sitzhaltung sollte stabil und frei von Emotionen sein, und die Pranayama-Praxis sollte langsam vonstattengehen.

Der Atem sollte sanft sein, sodass kein Laut zu hören ist. Man sollte kein Pranayama üben, wenn man sich innerlich belastet fühlt. Denn ein bewegter Geist führt zu unrhythmischer Atembewegung.

Wenn man hungrig, müde oder innerlich aufgewühlt ist, sollte man kein Pranayama üben. Wenn man ruhig ist, kann man mit Pranayama beginnen. Nehmt die Sitzhaltung Dhyanasana ein.

Pranayama-Übungen gewinnbringend durchführen

In den ersten Stufen des Pranayama sollte man nicht den Atem verhalten, sondern nur aus- und einatmen. Prana muss sich erst einmal mit den neuen Bedingungen abfinden lernen, und doch sollte jeder Versuch des Atemanhaltens vermieden werden.

Schnelles Atmen sollte durch langsameres Atmen ersetzt und anstelle der oberflächlichen Atmung sollte tief ein- und ausgeatmet werden. Ein verärgerter Geist verursacht einen unruhigen Atem. Ärger kann sehr leicht unsere Pranayama-Übungen stören.

Der eine kann seine Büroarbeiten wie immer erledigen, und gleichzeitig einen kühlen Kopf bewahren. Doch ein anderer mag nichts tun und doch hypernervös, verärgert und in seine Sorgen versunken sein. Man sollte sorgfältig darauf achten, dass der Geist für die Praxis zugänglich ist.

Tiefes Einatmen und täglich zwei Stunden frische Luft

Während der Einatmung sollte der Brustkorb weit ausgedehnt werden. Wenn wir den Brustkorb bei der Einatmung ausdehnen, empfinden wir Freude. Tägliches tiefes Einatmen fördert die Gesundheit ganz wesentlich.

Es sollte zur Pflicht werden, sich täglich zwei Stunden an der frischen Luft aufzuhalten. Pranayama ist eine Methode, die nicht nur die Atmung, sondern auch die Sinne und den Geist harmonisiert.

Setzt euch in einen gut temperierten Raum und atmet tief ein und langsam wieder aus. Diese Praxis sollte man einen Monat lang beibehalten. Danach kann mit dem eigentlichen Pranayama begonnen werden.

Die zwei Stufen des Pranayama

Das technische Atmen wird im Yoga immer als Pranayama bezeichnet. Es geht dabei um zwei Stufen:

Atme langsam und tief aus. Verschließe das rechte Nasenloch mit dem Daumen der rechten Hand. Atme langsam durch das linke Nasenloch ein. Verschließe das linke Nasenloch mit dem Ringfinger, entferne den Daumen vom rechten Nasenloch und atme langsam durch das rechte Nasenloch wieder aus.

Dann kehre den Prozess um und atme durch das rechte Nasenloch ein usw.. Dieses ist die Zwischenstufe im Pranayama, ohne Atemverhalten und nur mit einer Wechselatmung. Diese Praxis sollte man einen Monat lang beibehalten.

Das vollkommene Pranayama

Im dritten Monat kann mit dem vollkommenen Pranayama begonnen werden: Atme durch das linke Nasenloch, wie zuvor beschrieben, in der Länge deines Ishta Mantra ein und atme dann langsam wieder aus.

Die Einatmung, das Atemanhalten und die Ausatmung sollte im Verhältnis von 1:4:2 erfolgen, d. h. die Einatmung dauert eine Sekunde, das Atemanhalten vier und die Ausatmung zwei Sekunden.

Im Allgemeinen erfolgt das Zählen der Sekunden über ein Mantra, das grob ca. drei Sekunden dauert, ähnlich wie das dreimalige OM-Singen. Man atmet eine Mantra-Länge ein, hält den Atem über vier Mantra-Längen an und atmet in zwei Mantra-Längen wieder aus.

Jegliche Hast, um die Zeiten auszudehnen, sollte vermieden werden. Ob man sich während des Atemanhaltens gut fühlt oder nicht, muss man individuell prüfen. Es darf kein Gefühl von Atemnot entstehen.

Das was als Regel für die Asanas gilt, gilt auch für Pranayama. Sthira und Sukha. Leicht und angenehm soll es sein, ohne jegliche Anstrengung; dieses gilt gleichermaßen für Asanas und Pranayama in der Praxis. Dieses bedeutet ein langsames und schrittweises Fortschreiten im Prozess.

Individuelle Dauer der Pranayama-Übung

Die Dauer der Pranayama-Übung hängt vom körperlichen Befinden und den jeweiligen Lebensumständen ab. All die verschiedenen wichtigen Faktoren müssen in die Betrachtung mit einbezogen werden.

Die normale Übungsweise im Pranayama ist die zuvor beschriebene, die als Sukhapuraka (leichte Praxis) bekannt ist. Die anderen Pranayama-Formen, wie Bhastrika, Sitali usw., haben nur unterstützende Funktionen, sind für die Yogameditation aber nicht von Bedeutung.

Im Hatha Yoga werden bezüglich Pranayama viele Einzelheiten diskutiert. Eine davon ist beispielsweise der dreifache Verschluss (Bandhatraya), der vorzugsweise aus Muladharabandha, Uddiyanabandha und Jalandharabandha besteht.

Mit Pranayama den Geist bändigen

Doch hat dies nichts direkt mit dem Ziel des Yoga zu tun. Pranayama ist nicht das Ziel des Yoga, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Letztendlich geht es darum, den Geist zu bändigen, wobei Pranayama usw. der Vorbereitung dient.

Wenn man einer großen Persönlichkeit begegnen will, muss man viele Hindernisse überwinden, und viele kleine Ebenen müssen mit Referenzen befriedigt werden.

Ähnlich verhält es sich mit den Wächtern des Körpersystems, den Pranas, die man nicht übergehen darf. Man muss ihnen die Referenz erweisen.

Wir müssen etwas mit dem Körper und den Pranas machen, indem wir ihrem Status und ihren Funktionen unsere Referenz geben. Erst dann können wir mit ruhigem Geist Yoga üben.

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